Jobbörse: Der Goldsucher

Verbeamtete Abenteurer

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Es gibt sie noch, die verwegenen Glücksritter und Abenteurer, die einst zum Klondike hinauf zogen, um ihr Leben ganz der Suche nach einer Handvoll Edelmetall zu widmen. Goldsucher ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Aber für Haudegen aus aller Herren Länder ist es bis heute ein Traum, auf jene Ader zu stoßen, die alle materiellen Probleme mit einem Spatenstich beseitigt. Und so ziehen viele los, um zu graben und zu waschen: in Patagonien, Mexiko oder Sibirien. Der Traum vom schnellen Reichtum bleibt in den meisten Fällen unerfüllt. Zumindest für die armen Schlucker, die es traditionell und auf eigene Faust mit Schaufel und Sieb versuchen.
Die moderne Variante des Goldsuchers sieht anders aus. Gut ausgebildet und -gerüstet geht er oder sie im Dienst der Wissenschaft oder im Auftrag einer großen Firma systematisch an die Sache ran. „Wir als Wissenschaftler sind vor allem Datensammler“, sagt die Geologin Frauke Schäfer, die selbst im polaren Russland und in der kanadischen Arktis unterwegs war und heute als Pressesprecherin der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover tätig ist.
Wer heute nach Gold sucht, muss fit sein. Nicht nur körperlich. Mindestens 10 Semester Geologie oder Mineralogie hat man studiert, um mit einem Diplom in der Tasche und guten Englisch-Kenntnissen bei einer deutschen oder internationalen Goldsucherfirma anheuern zu können.
„ Abenteurergeist und eine Liebe zum Outdoor-Erlebnis gehört heute genau so dazu wie vor 100 Jahren“, meint Frauke Schäfer. „Und natürlich muss man heute wie damals die Landschaft lesen können, um erfolgreich zu sein.“ Der Goldsucher haust in Blockhütten oder Zelten, wäscht sich im Fluss und pinkelt an der nächsten Böschung. Die reinen Goldsucher-Typen sind auch heute noch richtige Exoten. Oft jahrelang leben sie im Ausland, fahren zum Beispiel den Amazonas ab und müssen sie sich mit den örtlichen Mafiosi und Guerilleros herumschlagen.

Etwas ruhiger hat es der moderne Glücksritter als Wissenschaftler. Er arbeitet im öffentlichen Dienst bei Bundesanstalten oder Landesämtern; ein Abenteurer mit BAT- Ansprüchen oder Beamtengehalt. (BAT 2 A für Anfänger und A13 bis A16 für Beamte; netto bedeutet das etwa von 2000 bis maximal 5000 Euro). Allerdings spezialisiert man sich als Forscher nicht nur auf Gold, sondern sucht nach allen möglichen Edelmetallen. In die reinen Goldsucher-Projekte kommt man indirekt hinein. Und sei es auf dem Wasserweg, wie zum Beispiel der Geowissenschaftler Ulrich Schwarz- Schampera (39). Er ist Spezialist für Lagerstättenkunde.

Als solcher suchte er im Juni 2005 im Südpazifik vor den Tonga Inseln nach Gold. In einer Wassertiefe von 200 bis 1100 Metern. „Dort sind untermeerische Vulkane, die Kupfer und Gold produzieren. Wir tauchen hin und kartieren das Gelände. Zu dritt in einem kleinen U-Boot mit Greifarm nehmen wir Proben.“ Der Wissenschaftler liegt 8 Stunden auf dem Bauch, hat ein kleines Fenster vor sich und beschreibt, was er sieht. Die Daten und Filme werden zum Mutterschiff hoch geschickt, wo ein internationales Team von Wissenschaftlern darauf wartet, das U-Boot auch mal nutzen zu dürfen. 23 Tage sind die Forscher unterwegs, alles in allem 15 Tauchgänge à acht Stunden. Goldsucher im Hightech-Zeitalter.

Ist das überhaupt noch Abenteuer? „Klar fühlt man sich als Abenteuer, es kommt immer noch das Klondike-Gefühl auf“, sagt Forscher Schwarz- Schampera von der BGR. „Wenn man bedenkt, dass erst 0,005 % des Meeresbodens kartiert sind, kann man sich vorstellen, wie viel da noch zu entdecken ist.“

Goldbergbau ist immer noch Geldbergbau – man kann in kürzester Zeit viel verdienen. Nach einer Vertrauens-Krise in den späten 1990er Jahren erreicht das Goldfieber weltweit wieder Höchstwerte auf dem Business-Thermometer, bestätigt Markus Wagner, Fachmann für Rohstoffwirtschaft in der BGR. „ Gold boomt, wir haben eine Hausse bei den Metallpreisen, die Edelmetalle ziehen da mit. Und auch als traditionell konservative Wertanlage ist Gold heute wieder attraktiv.“
Beste Jobaussichten also? Schon. Wenn man sich auf dem internationalen Markt durchsetzen kann. Denn die Industrie nimmt lieber Absolventen aus England oder USA. Sie sind jünger, billiger und mehr praxisorientiert ausgebildet. Wer es als Kontinental-Europäer dennoch schafft, muss in jedem Fall hart im Nehmen sein. Kälte oder Hitze, Malaria oder monatelange Einsamkeit – Unannehmlichkeiten gibt es genug. Am unangenehmsten aber ist wohl die Ungewissheit. Man weiß nie, wann man, auf eine Ader stößt. Geduld ist also reichlich mitzubringen.

Kontakt:
Thomas Grasberger | Adalbertstr. 47 | 80799 München | Tel. 089 - 27312838 | tgrasberge@aol.com